Nach über 20 Jahren Pause kehrt die Onimusha-Reihe endlich zurück. Als Adeel, der seit mehr als fünf Jahren regelmäßig Action-Games durchspielt und die alten Teile noch auf der PS2 erlebt hat, war die Ankündigung von Onimusha: Way of the Sword für mich einer der Highlights der letzten Game Awards. Ich habe das Spiel auf der PlayStation 5 durchgespielt, mehrere Durchgänge hinter mir und dabei besonders das Kampfsystem intensiv getestet. Hier kommt mein ausführlicher Eindruck für alle, die in Deutschland, Österreich oder der Schweiz wissen wollen, ob sich der Einstieg lohnt.
Was ist Onimusha: Way of the Sword?
Onimusha: Way of the Sword ist ein Action-Adventure aus dem Hause Capcom, das am 4. September 2026 für PlayStation 5, Xbox Series X/S, PC und Nintendo Switch 2 erscheint. Es handelt sich um den ersten Hauptteil seit Onimusha: Dawn of Dreams aus dem Jahr 2006. Statt der klassischen Sengoku-Zeit landet man diesmal in einem düsteren Kyoto der frühen Edo-Periode. Die Stadt und ihre Umgebung sind von einer dunklen Kraft namens Malice durchzogen, die Genma-Dämonen in die Menschenwelt lässt.
Protagonist ist niemand Geringeres als Miyamoto Musashi, der legendäre Schwertkämpfer. Er beginnt als ehrgeiziger Samurai, der den Ruf des stärksten Schwertkämpfers anstrebt, und wird nach einer tödlichen Begegnung mit einer Oni-Manschette ausgestattet. Diese gibt ihm übernatürliche Kräfte, mit denen er die Ausbreitung der Genma stoppen muss. Die Geschichte mischt historische Elemente mit klassischen Onimusha-Motiven: Dämonen, Seelen, und der ewige Konflikt zwischen Mensch und Übernatürlichem.
Das Spiel dauert im Hauptdurchgang etwa 20 Stunden, wenn man zügig vorgeht. Wer alles erkunden und die Nebeninhalte mitnimmt, kommt eher auf 28 bis 30 Stunden. Es gibt einen New Game Plus mit höherer Schwierigkeit, der sich besonders für diejenigen lohnt, die das Kampfsystem wirklich meistern wollen.
Die Geschichte: Musashi zwischen Ruhm und Verantwortung
Die Erzählung startet vergleichsweise klassisch. Musashi will sich beweisen und trifft auf rivalisierende Schwertkämpfer. Schnell überschlagen sich die Ereignisse, als die Genma auftauchen und er selbst beinahe stirbt. Die Oni-Manschette rettet ihn und bindet ihn zugleich an eine größere Aufgabe. Er wird widerwillig zum Beschützer Kyotos.
Was mich positiv überrascht hat: Musashi ist kein typischer stiller Held. Er ist selbstbewusst, manchmal arrogant und muss erst lernen, dass bloße Stärke nicht ausreicht. Die Charakterentwicklung wirkt glaubwürdig, auch weil die Animationen und die Mimik durch die RE Engine extrem ausdrucksstark sind. Historische Figuren wie Sasaki Ganryu (auch als Sasaki Kojiro bekannt) spielen eine wichtige Rolle und sorgen für spannende Konfrontationen.
Allerdings gibt es Schwachstellen. In den ersten Stunden wirkt das Tempo etwas schleppend, und manche Nebenquests fühlen sich wie reine Füllmasse an. Die Hauptgeschichte bleibt insgesamt solide und emotional, ohne jemals wirklich tiefgründig zu werden. Wer primär wegen der Story kommt, wird zufrieden sein, aber keine narrative Meisterleistung erwarten. Für mich als Spieler, der die alten Teile kennt, fühlt sich der Mix aus Geschichte und Mythologie vertraut und gleichzeitig frisch an.
Das Kampfsystem: Hier liegt die wahre Stärke
Das Herzstück von Onimusha: Way of the Sword ist ohne Zweifel der Kampf. Capcom hat sich klar auf präzises, gewichtetes Schwertspiel konzentriert. Man führt eine Klinge und wechselt zwischen leichten und schweren Angriffen. Die Combos fühlen sich flüssig an, ohne in reines Button-Mashing abzudriften. Jeder Schlag hat Gewicht, und die Animationen machen deutlich, dass echte Schwertkämpfer für die Bewegungen konsultiert wurden.
Besonders gelungen sind die defensiven Optionen. Man kann blocken, ausweichen oder – und das ist der Clou – parieren und deflektieren. Der klassische Issen ist zurück: Greift man im exakten Moment an, in dem der Gegner zuschlägt, führt man einen blitzschnellen Gegenschlag aus. Bei normalen Gegnern ist das oft ein Sofort-Kill, bei stärkeren Feinden und Bossen verursacht es massiven Schaden und öffnet sie für Folgeangriffe. Ein verfehlter Issen hingegen bestraft hart. Das Timing muss sitzen, und genau das macht den Kampf so befriedigend.
Zusätzlich gibt es einen Deflekt-Mechanismus, der die Stance-Leiste der Gegner aufbaut und Projektile abwehren kann. Die Oni-Manschette ermöglicht spezielle Angriffe und Waffen, die mit blauen Seelen aufgeladen werden. Gelbe Seelen heilen, rote dienen dem Upgrade-System. Die Balance zwischen Angriff und Verteidigung fühlt sich nach mehreren Stunden Spielzeit extrem stimmig an.

Ich habe das System in den ersten Bosskämpfen erst einmal „erleiden“ müssen. Nach etwa zehn Stunden war ich jedoch so tief drin, dass ich Gegnerwellen fast tänzerisch abfertigte. Das ist kein reines Spectacle-Action wie Devil May Cry und auch kein reiner Souls-like. Es liegt irgendwo dazwischen und belohnt Beobachtung und Timing mehr als reines Reflexspiel. Für mich gehört das Kampfsystem aktuell zu den besten, die Capcom in den letzten Jahren abgeliefert hat.
Praktische Tipps zum Kampfsystem
- Übe den Issen früh und bewusst. Starte mit langsameren Gegnern und steigere dich.
- Achte auf die Animationshinweise der Feinde. Viele Angriffe sind gut lesbar, wenn man sich die Zeit nimmt.
- Wechsle zwischen aggressivem und defensivem Spielstil, je nach Gegnertyp. Manche Bosse bestrafen ständiges Vordrängen hart.
- Nutze die Oni-Armamente gezielt, um Pausen zu erzwingen oder Gruppen zu spalten.
- Im New Game Plus lohnt es sich, die Upgrades stärker auf Stance-Schaden und Issen-Fenster auszurichten.
Bosskämpfe: Die absoluten Höhepunkte
Wenn ich eines hervorheben muss, dann die Bosskämpfe. Sie gehören zu den besten, die ich in den letzten Jahren gespielt habe. Jeder Boss hat eine klare Identität, eigene Angriffsmuster und Phasen, die man lernen und ausnutzen muss. Die Animationen sind spektakulär, die Musik hebt die Intensität, und das Gefühl, nach mehreren Versuchen endlich den entscheidenden Issen zu landen, ist pure Belohnung.
Besonders die Duellsituationen gegen rivalisierende Schwertkämpfer bleiben im Gedächtnis. Hier zeigt Capcom, was modernes Schwertkampf-Design leisten kann. Die Bosse fordern das gesamte Arsenal: Timing, Positionierung und den richtigen Einsatz der speziellen Fähigkeiten. Wer Sekiro oder ähnliche Systeme mag, wird hier viel Freude haben, ohne dass das Spiel zu einem reinen Imitat wird.
Grafik, Sound und Atmosphäre
Technisch läuft Onimusha: Way of the Sword auf der PS5 stabil und sieht dabei hervorragend aus. Die RE Engine liefert detaillierte Umgebungen, eindrucksvolle Lichteffekte und eine glaubwürdige Darstellung von Kyoto und seiner Umgebung. Die historischen Orte wie der Kiyomizu-dera wirken authentisch, ohne dass das Spiel in reinen Realismus abdriftet. Die Genma-Designs sind abwechslungsreich und oft unangenehm – genau so, wie man es von Onimusha erwartet.
Der Soundtrack unterstreicht die Kämpfe kraftvoll und die ruhigeren Passagen atmosphärisch. Die Soundeffekte beim Aufeinandertreffen der Klingen sind besonders gelungen. Bei der Sprachausgabe gibt es leichte Schwankungen, vor allem in der englischen Version. Die japanische Tonspur wirkt stimmiger, falls man die Option hat.
Schwächen, die man kennen sollte
Kein Spiel ist perfekt. Die semi-offene Welt zwischen den linearen Abschnitten fühlt sich an manchen Stellen unnötig an. Viele Nebenquests sind schematisch und bringen wenig Abwechslung. Das Upgrade-System über Seelen und Crafting kann den Fluss etwas stören, wenn man ständig Materialien sammeln muss. Die Schwierigkeitskurve ist nicht immer ausgewogen – manche normale Gegnergruppen sind zu einfach, während einzelne Bosse deutlich fordern.
Wer eine dichte, durchgehend spannende Erzählung oder eine komplett offene Welt sucht, wird Abstriche machen müssen. Für mich als Spieler, der primär wegen des Kampfes und der Atmosphäre kommt, sind das jedoch akzeptable Kompromisse.
Für wen lohnt sich Onimusha: Way of the Sword?
Das Spiel richtet sich klar an Fans von präzisem Action-Gameplay und an alle, die die Onimusha-Reihe oder klassische Samurai-Action mögen. Wer Parry- und Counter-Systeme liebt, wird hier auf seine Kosten kommen. Auch Spieler, die Sekiro, Lies of P oder ähnliche Titel genossen haben, sollten einen Blick riskieren. Absolute Einsteiger in Action-Games könnten anfangs etwas überfordert sein, aber das System ist erlernbar und belohnt Geduld.
Die Länge ist angenehm. Es fühlt sich nie aufgebläht an, auch wenn die Nebeninhalte manchmal den Fokus verwässern. Der Preis liegt im üblichen Rahmen für AAA-Titel, und der New Game Plus erhöht den Wiederspielwert spürbar.
Fazit: Ein würdiges Comeback mit klaren Stärken
Onimusha: Way of the Sword ist ein starkes Comeback für eine lange ruhende Reihe. Capcom hat den Fokus richtig gesetzt: auf ein herausragendes Kampfsystem, spektakuläre Bosse und eine glaubwürdige Darstellung des legendären Miyamoto Musashi. Die Schwächen bei Pacing und Nebeninhalten sind spürbar, überschatten aber nicht die Kernqualität.
Ich habe das Spiel mit viel Freude durchgespielt und werde den New Game Plus definitiv noch einmal angehen. Für alle, die auf gewichtigen, belohnenden Schwertkampf stehen, ist dies einer der empfehlenswertesten Titel des Jahres. Wenn du auf der Suche nach weiteren Guides, Tipps zu Upgrades oder Boss-Strategien bist, schau gerne auf DEGamex.online vorbei – dort findest du weitere Artikel von mir und dem Team.
Viel Spaß auf dem Weg des Schwertes.